16. August VernissageKurz nach BaubeginnBambus flechten
Dach abdecken mit chinesischem SchilfEinweihung mit fast fertigem Dach15. September Eroeffnung
Es werden auch Haare geschnittenUhren repariertRadiosWecker
und vieles mehr3. Oktober letzter Arbeitstag6. Oktober die Huette steht leer

Intimate Politics
Brief consideration to Vreni Spieser's artwork "Going Public"
By Tobias Spichtig
Zug; Capital, economy, Global Village, Private, person, relationship, love, post-colonialism, drama, the public - all of which are themes of Vreni Spieser's work. However, these subjects are not explicitly addressed and nothing is exhibited. Nothing is propagated, hardly anything is performed. If at all an exhibition piece, it is a handmade inhabited hut.
The topics are an inherently part of the history of this cottage, which is a real love story. This story takes place not on the playground of the global economy, even if it is very connected to it, but rather in an economy of love. On the backside of global enterprises.
Also, global corporations are usually legal persons, and the Giants 'marry' as well. One can still poorly imagine that a company based in Zug falls in love with the city and that they passionately kiss each other at the airport.
Vreni Spieser, who grew up in Zug, has certain feelings for the small lakeside town. However, she moved away from Zug and loves someone who could call me (who comes from Central Switzerland) a stranger. "Stranger" is a word with tradition: more than a hundred years ago many left poverty-stricken Central Switzerland for a foreign country. This immigration was even encouraged by the state.
But for a private person the law works different today. Even if the artist and specially her sailor are part of the global economy, the laws and contracts between the states stands in the way of their freedom. In consequence the private, even the most intimate, becomes political.
Vreni Spieser describes the situation as follows:
For over two years I have been in a relationship with a Filipino sailor. He lives in Manila, when he's not traveling on a ship. The only way to see each other, is that I fly to the Philippines now and then. He gets no entry permit for Switzerland. We have long had the idea that he could work for me as an assistant, as he is technically very well trained. But that failed so far because of my non-existent budget.
Spieser's cottage is politically per se, but primarily it is a love story without a camera. Almost like a "Heimatfilm" that includes naturally all the possibilities of a reality, of a global future and of something like "home (Heimat)" or belonging.


Intime Politik - Kurze Überlegung zu Vreni Spiesers Werk "Going Public"
Von Tobias Spichtig

Erschienen in der Publikation "Herrliche Zeiten" zum gleichnamigen Ausstellungsprojekt, das vom 16. August bis 11. Oktober 2014 im öffentlichen Raum der Stadt Zug zu sehen war.

Zug; Kapital, Ökonomie, global village, Privat, Person, Beziehung, Liebe, Postkolonialismus, Drama, Öffentlichkeit (the public) - all das ist Thema in Vreni Spiesers Arbeit. Es wird jedoch nicht explizit thematisiert, kaum vor-verhandelt und nichts ausgestellt. Nichts wird propagiert, auch kaum performt. Wenn überhaupt ausgestellt, dann gebaut, und gelebt wird eine Hütte. Die Themen sind inhärenter Bestandteil der Geschichte dieser Hütte, die eine eigentliche Liebesgeschichte ist.
Diese Geschichte spielt nicht auf dem Parkett der global economy, auch wenn sie untrennbar mit ihr zu tun hat, sondern vielmehr in einer Ökonomie der Liebe. Auf der Kehrseite der globalen Unternehmen.
Weltumspannende Konzerne sind meist rechtliche Personen, und die Giganten "heiraten" auch. Man kann sich trotzdem schlecht vorstellen, dass ein Unternehmen mit Sitz in Zug sich in die Stadt verliebt und die einander dann am Flughafen leidenschaftlich küssen.
Vreni Spieser, in Zug aufgewachsen, hat bestimmt Gefühle für die kleine Stadt am See. Sie ist jedoch weg von da und liebt einen, der einen Innerschweizer wie mich einen Fremden nennen könnte. Das Wort hat Tradition, denn vor mehr als hundert Jahren sind viele aus dieser damals mausarmen Zentralschweiz in die Fremde gegangen. Dieser Auszug wurde sogar auf staatlicher Ebene gefördert.
Doch für eine Privatperson sehen die Gesetze heute anders aus. Auch wenn die Künstlerin und noch viel mehr ihr Matrose teil dieser globalen Ökonomie sind, steht das Gesetz der Staaten und deren Verträge der Freiheit im Weg. Und da wird das Private, ja sogar das Intimste politisch.
Der Beschrieb Vreni Spießers lautet folgendermassen:
Seit über zwei Jahren bin ich mit einem philippinischen Matrosen liiert. Er lebt, wenn er nicht auf einem Schiff unterwegs ist, in Manila. Die einzige Möglichkeit, uns zu treffen, besteht darin, dass ich ab und zu auf die Philippinen fliege. Er kriegt für die Schweiz keine Einreisebewilligung. Wir hatten schon seit längerem die Idee, dass er für mich als Assistent arbeiten könnte, da er handwerklich sehr gut ausgebildet ist. Das scheiterte aber bis anhin an meinem nicht existierenden Budget.
Spiesers Hütte ist also per se politisch, doch in erster Linie ein Liebesfilm ohne Kamera. Fast wie ein Heimatfilm, der all die Möglichkeiten einer Realität, einer globalen Zukunft und so etwas wie Heimat oder Zugehörigkeit selbstverständlich beinhaltet.